Aquatinta

Wie versprochen, habe ich in dieser Woche meine Küche einen ganzen Tag in eine Druckwerkstatt verwandelt und mich an der Drucktechnik Aquatinta probiert. Aquatinta klingt zwar erstmal nach ganz banaler Wasserfarbe, ist aber eine spezielle Form der Ätzradierung, bei der man unterschiedliche Helligkeitsabstufungen durch mehrere aufeinander folgende Säurebäder erreicht. Wahrscheinlich kommt der Name daher, dass das Druckergebnis an eine Tuschemalerei erinnert.

So und nun wird es ernst: Ich habe wieder jeden einzelnen Schritt für euch festgehalten. Auch wenn ihr selbst nie eine Aquatinta machen wollt, ist es interessant zu erleben, wie sie entsteht. Also klickt weiter, um mehr zu lesen und zu sehen.

Wie bei jeder Drucktechnik zeichnet man das Motiv zuerst (unbedingt seitenverkehrt) auf die Druckplatte. Dann wird mit einem Pinsel Abdecklack auf die Stellen aufgetragen, die später weiß bleiben sollen. Damit die Salpetersäure im folgenden Säurebad besser angreifen kann, wird die Metallplatte (bei mir Alu) mit Kolophonium eingestäubt und auf einer Heizplatte erwärmt. (erstes Bild) Dadurch schmelzen die harzartigen Körnchen und verkleben mit der Oberfläche. Das erste Säurebad darf die Platte nur maximal 30 Sekunden nehmen. Um die entstehenden Bläschen beim Ätzvorgang von der Plattenoberfläche zu wischen, sollte man sehr vorsichtig mit einer Gänsefeder über die Platte streichen.

Upps – schon sind die 30 Sekunden um und die Platte muss schnell in ein Wasserbad. Hier sehr vorsichtig sein. Säure ist wirklich gefährlich. Lest euch am besten im Netz durch, wie man sicher mit Säure arbeitet, und achtet auf jeden Fall auf eine gute Entlüftung über dem Säurebad.

Nun folgen mehrere Phasen, bei denen sich Abdecken der nächst dunkleren Bereiche und das Ätzen abwechseln. (Die Badezeiten verdoppeln sich  jeweils.) Bis zum Schluss nur noch die fast schwarz erscheinenden Stellen unbedeckt bleiben und einem letzten Säurebad ausgesetzt werden. Dann wird die Platte vom Lack befreit und ist fertig fürs Drucken.

Im Prinzip unterscheidet sich der Druckvorgang nicht sehr von anderen Tiefdrucktechniken. Zuerst kommt also das Einreiben mit einem Ledertampon, dann das vorsichtige Abwischen mit Gaze. Doch das Auswischen muss mit größter Sorgfalt ausgeführt werden, da die Flächen schneller freigewischt sind, als einem lieb ist. Ich habe ein Weilchen gebraucht, bis ich den Dreh raus hatte. Bindet euch einen großen Lappen um die Hüfte und wischt daran immer wieder euren Handballen sauber, mit dem man am allerbesten auswischen kann.

Während die Druckplatte sich etwas aufwärmen darf, um die Farbe weicher werden zu lassen, sollten farbverschmierte Hände sauber geschrubbt werden, denn nun kommt der spannendste Moment: das eigentliche Drucken. Dazu die eingefärbte Metallplatte auf den Drucktisch legen, ein leicht feuchtes Tiefdruckpapier darüber legen und beide mit dem Filz zudecken, die Walzen mit dem Handrad unter stärkerem Druck drehen. Filz abheben und das Papier vorsichtig von der Druckplatte lösen. Wenn man alles gut gemacht hat, biegen sich die Mundwinkel nach oben und man hält glücklich einen geglückten Druck in der Hand.

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